Blog Microlearning mit TikTok

Microlearning mit TikTok und Co. – Kurze Lernvideos im Unterricht sinnvoll einsetzen

By Johanna Thietje and others
03/19/2025 - 11:00

Microlearning mit kurzen Videos bietet eine spannende Möglichkeit, KI-Inhalte kreativ und effektiv zu vermitteln. Besonders TikTok eignet sich als Plattform, um Schüler:innen dort abzuholen, wo sie sich ohnehin aufhalten. Erfahrt, wie ihr TikTok und eigene Lernvideos sinnvoll im Unterricht einsetzen könnt!

Was ist Microlearning? 

Microlearning bezeichnet das Lernen in kleinen, zielgerichteten Einheiten. Dabei werden Lerninhalte kompakt in 1- bis 3-minütigen multimedialen Inputs vermittelt. Diese kurzen Impulse können am Anfang, zwischendurch oder zum Abschluss von Unterrichtseinheiten eingesetzt werden, um den Lernstoff einzuführen, zusammenzufassen oder aus einer neuen Perspektive darzustellen.

Dank digitaler Technologien sind Microlearning-Inhalte jederzeit und über verschiedene Geräte abrufbar. Diese Methode eignet sich besonders gut für eine flexible und zeitunabhängige Wissensvermittlung und ist vor allem für eine Generation, die mit Social Media aufwächst, sehr zugänglich.

 

TikTok als Lernplattform?

TikTok ist eine Social-Media-Plattform, die auf Kurzvideos spezialisiert ist. Sie bietet Nutzer:innen die Möglichkeit, eigene Videos zu erstellen, mit Musik zu unterlegen und mit Effekten oder Text zu versehen. TikTok ist besonders unter Jugendlichen beliebt: Mehr als 50 % der 12- bis 19-Jährigen in Deutschland nutzen die Plattform regelmäßig (Statista 2025).

Da audiovisuelles Lernen für diese Altersgruppe von großer Bedeutung ist, lohnt es sich, den Einsatz von TikTok-Videos im Unterricht zu prüfen. Dabei sollen die Schüler:innen entsprechend ihrer Sehgewohnheiten beziehungsweise ihres digitalen Nutzungsverhaltens abgeholt werden, ohne jedoch den reinen Unterhaltungscharakter und die von der Plattform ausgehenden Risiken unreflektiert zu übernehmen.

@scienceitch

Was ist denn jetzt Intelligenz???? 🤯

♬ Originalton - Dani | scienceitch

 

Was zeichnet gute Lernvideos aus?

Damit ein Lernvideo einen echten Mehrwert bietet, sollte es folgende Kriterien erfüllen:

  1. Klarer Fokus: Ein einziges Lernziel im Mittelpunkt
  2. Strukturierte Abfolge: Logische Reihenfolge der Informationen
  3. Visuelle und auditive Unterstützung: Grafiken, Animationen, Musik
  4. Einfache Sprache: Kompakte Erklärungen ohne Fachjargon
  5. Interaktive Elemente: Call-to-Action oder Anwendungsmöglichkeiten

 

@keepingupwith_ai – Ein TikTok-Kanal für den Unterricht

Ein Beispiel für Microlearning-Content ist unser TikTok-Kanal @keepingupwith_ai, den wir zusammen mit dem Bundeswettbewerb Künstliche Intelligenz bespielen. Der Kanal bietet Lernvideos zu verschiedenen Aspekten rund um KI und eignet sich durch die Kombination aus fundierten Inhalten, verständlicher Sprache und kreativer Gestaltung gut für den Einsatz im Unterricht.

Die kurzen, informativen Clips helfen dabei, komplexe Themen auf unterhaltsame Weise zu erklären, und regen zur weiteren Auseinandersetzung mit dem Stoff an. Lehrkräfte können gezielt Videos aus dem Kanal auswählen, um Unterrichtsinhalte zu ergänzen oder als Impuls für Diskussionen und Gruppenarbeiten zu nutzen. Ihr habt Bedenken, über die Schulgeräte auf TikTok zuzugreifen? Kein Problem, die Videos sind auch über die frei zugängliche Bildungsplattform MUNDO abrufbar.

@keepingupwith_ai Warum sind die KI-generierten Videos der AfD eigentlich so schlecht? 🤔 #AfD #Politik #Wahlen #Bundestagswahl #ReclaimTikTok #KI #KIVideo #Video #GenerativeKI #GenerativeAI #GenAI #KITools #AITools #KeepingupwithAI ♬ Originalton - Keeping up with AI

 

Warum sollten Schüler:innen eigene Lernvideos produzieren?

Die Erstellung eigener Lernvideos ist nicht nur eine kreative Art der Wissensvermittlung, sondern auch eine effektive Lernmethode. Wenn Schüler:innen Inhalte in eigenen Worten erklären, vertiefen sie ihr Verständnis und können Zusammenhänge besser erfassen.

Zusätzlich werden wichtige Kompetenzen gefördert: Recherche, kreatives Schreiben und Storytelling, Moderation, Videodreh und -schnitt. Die Produktion eigener Lernvideos stärkt zudem die Selbstermächtigung der Lernenden, fördert Partizipation und Teambuilding.

 

Was wird für die Videoproduktion benötigt? 

  1. Technik: Ein Smartphone oder Tablet mit einer passenden App (TikTok oder alternative Videobearbeitungsprogramme)
  2. Thema: Klar definierte Inhalte
  3. Team: Redaktion, Host:in, Kameraperson, Postproduktion 

 

How To: Drehen mit dem Smartphone im Unterricht

Diese Methode eignet sich für die Klassen 6 bis 11 und kann in allen Fächern angewendet werden. Der Ablauf könnte so aussehen:

  1. Das Thema auf maximal einer Seite zusammenfassen und Kernaspekte markieren
  2. Technik bereitstellen (Smartphone oder Tablet mit passender App – z. B. VN Video Editor oder TikTok Studio)
  3. Grundfunktionen der App vorstellen
  4. Fotos und Grafiken zur Postproduktion bereitstellen
  5. Kleingruppen von 3 bis 5 Personen ein Mini-Skript entwickeln lassen
  6. Eigenständige kreative Umsetzung: Die Schüler:innen entscheiden, wie sie das Thema filmisch umsetzen
  7. Drehen und Bearbeiten des Videos
  8. Gemeinsames Betrachten und Reflexion der Ergebnisse

 

Fazit

Microlearning mit TikTok und Co. bietet eine innovative Möglichkeit, Lernprozesse zu bereichern. Kurze, zielgerichtete Lernvideos können im Unterricht eingesetzt werden, um Wissen kompakt und anschaulich zu vermitteln. Die Schüler:innen profitieren nicht nur von interaktiven, modernen Lernformaten, sondern auch von der Möglichkeit, eigene Videos zu erstellen und so ihre Medien- und Fachkompetenzen auszubauen. Ein spannender Weg, das Lernen zeitgemäß und kreativ zu gestalten!

Johanna Thietje
Johanna Thietje
Kommunikationsmanagerin
Stifterverband

Johanna Thietje arbeitet im Kommunikationsteam des KI-Campus beim Stifterverband und unterstützt bei der Öffentlichkeitsarbeit. Sie studierte Kulturwissenschaften und Wirtschaftspsychologie an der Leuphana Universität Lüneburg (B.A.).

Kristina Laube
Kristina Laube
Wissenschaftskommunikatorin Tübingen AI Center / BWKI

 

Kristina Laube ist gelernte Journalistin und als Wissenschaftskommunikatorin am Tübingen AI Center rund um den Bundeswettbewerb Künstliche Intelligenz für eine junge Zielgruppe tätig. Zuvor war sie in Berlin als Redakteurin und Reporterin für den Auslandsrundfunk Deutsche Welle und das Arte-Wissensmagazin Xenius im Einsatz.

Linos Ullmann
Linos Ullmann
Medien- und Contentmanager
Stifterverband

Linos Ullmann ist Leiter der internen Medienproduktion beim KI-Campus und als Content Manager im Bereich "KI-Grundlagen" tätig. Als studierter Medienpädagoge und Medienwissenschaftler verbindet er medientechnische und didaktische Aspekte, indem er Lernangebote entwickelt, betreut und umsetzt.