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Blogbeitrag KI-ExpertLab Hochschullehre

Das KI-ExpertLab Hochschullehre: Rück- und Ausblick 2021/22

By Stefan Göllner and others
03/01/2022

Anfang 2021 wurde vom KI-Campus in Kooperation mit der FernUniversität in Hagen das KI-ExpertLab Hochschullehre ins Leben gerufen. In diesem Beitrag stellen Stefan Göllner, Silke Wrede und Heike Karolyi die fünf Arbeitsgruppen vor, die seitdem aktiv geworden sind. Mit ihrer Darstellung ziehen sie eine erste Bilanz und geben einen Ausblick auf geplante Aktivitäten bis zum Herbst 2022.

Mit den „KI-ExpertLabs“ bietet der KI-Campus Plattformen für Fachexpert:innen, um den Diskurs zu wichtigen Themen und Entwicklungen im Schnittbereich von Bildung und KI zu führen. Die KI-ExpertLabs dienen dem KI-Campus als Think- & Do-Tanks: Sie transferieren Wissen und schaffen Schnittstellen zur Vernetzung mit weiteren Initiativen und Programmen. KI-ExpertLabs sind methodische Innovationshubs, die den Transfer von Fachexpertise und Methodenwissen in den KI-Campus und in die begleitend aufgebaute Community hineintragen. Neben einem Lab mit dem Schwerpunkt Hochschullehre, das in Kooperation mit der FernUniversität in Hagen aufgebaut wird, entstehen KI-ExpertLabs in den Bereichen Medizin und Schule. Teilnehmende profitieren durch ihr Mitwirken, indem sie Themen und Fragestellungen definieren, eigene Projekte entwickeln und publizieren sowie sich über ihre Hochschule hinaus mit anderen Expert:innen und Projekten vernetzen.

Dem Start des KI-ExpertLabs Hochschullehre vorausgegangen war die Tagung „KI in der Hochschulbildung“ und die Publikation des Whitepapers KI in der Hochschulbildung (2020). Mit der Publikation wurden bereits wichtige Positionierungen vorgenommen, etwa zu den Fragen wie das Lernen mit und über KI zukünftig gestaltet werden kann, wie KI die Hochschullehre verändern wird bzw. welche ethischen, technischen und methodischen Voraussetzungen gegeben sein sollten, damit Hochschulen, Lernende und Lehrende bestmöglich von neuen Möglichkeiten durch KI profitieren können.

Vor diesem Hintergrund entstanden nach der Auftaktveranstaltung des KI-ExpertLabs Hochschullehre fünf Arbeitsgruppen mit jeweils eigenen Zielsetzungen. Die Gruppen treffen sich regelmäßig und arbeiten auf konkrete Ergebnisse hin. Ca. zweimal jährlich finden Gesamttreffen statt, in denen sich alle Gruppen zu Zwischenergebnissen, übergreifenden Zielsetzungen und Vernetzungsmöglichkeiten austauschen.

 

KI-Curricula und KI-Kompetenzen (Leitung: Stefan Göllner)

Ziel dieser Arbeitsgruppe ist es, Anforderungen an den Aufbau von KI-Kompetenzen durch die Entwicklung entsprechender KI-Curricula in verschiedenen Fachbereichen zu ermitteln. Die Frage nach einem um KI erweiterten Curriculum ist zunehmend von Interesse, da immer mehr Studiengänge vor der Herausforderung stehen, auch KI-Kompetenzen in der Lehre abzubilden. Oft werden dabei weniger generische Kompetenzmodelle benötigt als vielmehr ein Austausch darüber, wie die Lernziele konkret fachbezogen erreicht werden können.

Die schnellen Weiterentwicklungen im Bereich KI erfordern dabei auch ein hohes Maß an Flexibilität und Offenheit gegenüber neuen Konzepten der Vermittlung. Ziel der Gruppe ist so auch, Beispiele der erfolgreichen Integration in die Lehre aufzugreifen. Ein Zwischenergebnis bildet der Vergleich unterschiedlicher Curriculumsentwürfe, die bereits von Lehrenden praktisch eingesetzt werden. Für 2022 ist u. a. angedacht, eine Curriculumswerkstatt zu konzipieren, die Lehrende gezielt bei der Integration von KI-Themen in die Curricula unterstützt.

 

KI und Akademisches Schreiben (Leitung: Prof. Dr. Doris Weßels)

Die Themengruppe „KI und Academic Writing“ versammelt Lehrende und Bildungsexpert:innen verschiedener Hochschulen. Im Fokus steht die Frage, welche Auswirkung KI-basierte Werkzeuge des „Natural Language Generation/Processing/Understanding“ auf Prüfungsleistungen in Form schriftlicher Haus-, Studien- und Abschlussarbeiten sowie auf die Förderung der Schreibkompetenz von Studierenden haben. In Verbindung damit sollen Empfehlungen für den Einsatz KI-gestützter Werkzeuge in der Lehre, für die Lehre und für das Lernen an Hochschulen erarbeitet und vorgestellt werden.

Seit Start der Themengruppe ist eine Reihe von Beiträgen entstanden, z. B.: „Künstlich intelligentes Schreiben“ von Dr. Peter Salden und Prof. Dr. Doris Weßels im DUZ Magazin. Das aktuelle Projekt der Fachgruppe verfolgt das Ziel, die Vorstellungen von Schreibdidaktiker:innen, die an oder für Schreibzentren in deutschen Hochschulen tätig sind, über Veränderungen ihrer Praxis durch KI-basierte Software zur Textgenerierung zu analysieren und Handlungsempfehlungen abzuleiten. Das Projektteam hat hierzu im Herbst 2021 eine breit angelegte Online-Umfrage durchgeführt und darüber einen tiefen Einblick gewonnen, wie Schreibdidaktiker:innen KI-basierte Software nutzen, wie sie ihr Potenzial beurteilen und welche Auswirkungen sie für ihr Berufsfeld erwarten. Eine Veröffentlichung dieser Untersuchung ist für das Frühjahr 2022 geplant.

In ihrem Blogbeitrag „Ein KI-Schreibpartner als Ausweg aus der Ideenlosigkeit?“ wagt Doris Weßels für den KI-Campus das Experiment, sich auf einen kollaborativen Schreibprozess einzulassen.

 

KI-Projekte (Leitung: Silke Wrede)

Im Rahmen dieser Arbeitsgruppe werden zwei Zielsetzungen verfolgt: erstens die Entwicklung einer Systematisierung und Visualisierung bestehender KI-Projekte in der Hochschullehre und zweitens eine aufbereitete Präsentation für Hochschulen sowie Lehrende und Lernende in Form einer interaktiven Online-Karte (zunächst für den deutschsprachigen Raum).

Für eine analytische Perspektive auf die den Projekten zugrundeliegenden KI-Einsatzszenarien wird die Landkarte mit KI-didaktischen Entwurfsmustern komplementiert. Entwurfsmuster ermöglichen eine Betrachtung der Szenarien nach zuvor festgelegten Kriterien (beispielsweise Problem, Lösung und Rahmenbedingungen). Zur Erfassung der Eckdaten der KI-Projekte und zur Generierung der Analysekategorien für die späteren Entwurfsmuster läuft momentan eine Online-Umfrage, zu der wir Sie auch hier einladen möchten.

 

KI-Playground (Leitung: Silke Wrede)

Die Arbeitsgruppe bildet eine interdisziplinäre Gruppe aus Wissenschaftler:innen der Bereiche Mathematik-, Medien-, Ingenieur- und Technikdidaktik sowie Bildungswissenschaften. Übergeordnetes Ziel ist die Entwicklung eines geschützten Übungsraums für Lehrende, in dem spielerisch Erfahrungen mit dem Einsatz von Künstlicher Intelligenz gesammelt werden können. Die Gruppe bezieht sich auf eine gleichnamige Initiative, die vom KI-Campus konzipiert wurde und aktuell umgesetzt wird.

Der Playground soll Technologien, Methoden und Anwendungen Künstlicher Intelligenz für den Einsatz in der Hochschullehre kuratieren und sichtbar machen. Der Fokus der Arbeitsgruppe liegt auf Lehrenden unterschiedlicher Disziplinen, die sich für die Auswirkungen von KI auf das Lehren und Lernen an Hochschulen interessieren und nach niedrigschwelligen Möglichkeiten zur fundierten Auseinandersetzung mit dem Einsatz von KI in der eigenen Lehre suchen. Auch die Vernetzung und der Austausch mit anderen Lehrenden sind ein wichtiger Bestandteil des Playgrounds. Aktuell befasst sich die Arbeitsgruppe mit der Konzeption eines ersten Angebots für Lehrende.

 

Ethische Standards (Leitung: Heike Karolyi)

Mit dem Einsatz von KI-Tools und -Techniken beobachten wir eine disruptive Technologie, die verstärkt in den Hochschulen ankommt. Die Arbeitsgruppe, die sich aus Wissenschaftler:innen der Philosophie, Bildungswissenschaften, Informatik sowie Mitarbeitenden zentraler Hochschulfunktionen zusammensetzt, verfolgt das Ziel, Ethikleitlinien bzw. einen Leitfaden zur Unterstützung von ethischen Rahmenbedingungen zum Einsatz von KI an Hochschulen zu erarbeiten. Dazu wurden in der Gruppe Möglichkeiten und Grenzen von KI an Hochschulen in unterschiedlichen Bereichen diskutiert. Die Bereiche Forschung, Lehre, die Hochschule als Wirkungsort sowie Praxisbeispiele für mögliche Anwendungen und Ansätze sollen in einem solchen Leitfaden erläutert und reflektiert werden und so eine Hilfestellung für verschiedene Stakeholder an Hochschulen bereitstellen. Geplant ist etwa, praxisnahe Hilfestellungen zu geben, wie KI an Hochschulen zum Einsatz gebracht werden kann. Dazu werden z. B. Leitfäden und Erläuterungen entwickelt, die eine vertrauenswürdige Nutzung ermöglichen.

 

Rückblickend wurde mit dem KI-ExpertLab Hochschullehre eine funktionierende Austauschplattform geschaffen: Sie trifft auf interessierte und engagierte Wissenschaftler:innen, die sich aktiv einbringen und damit Lücken im Diskurs zu Hochschule und KI schließen möchten. Die begonnene interdisziplinäre Arbeit wird im Jahr 2022 in den fünf Arbeitsgruppen fortgesetzt, Ergebnisse werden fortlaufend veröffentlicht.

Bei Interesse an einer Mitarbeit am KI-ExpertLab Hochschullehre sprechen Sie uns gerne an!

 

Literatur

Salden, P., & Weßels, D. (2021): Künstlich intelligentes Schreiben. DUZ – Magazin für Wissenschaft und Management, 11 (S. 45-48). https://www.duz.de/ausgabe/!/id/562

Stefan Goellner
Stefan Göllner
Innovation Manager
Stifterverband

Stefan Göllner ist Innovation Manager beim KI-Campus. Er studierte Kommunikationsdesign in Düsseldorf und war wissenschaftlicher Mitarbeiter in Forschungs- und Entwicklungsprojekten zu vernetzten Technologien an der Kunsthochschule für Medien Köln (Lab III für experimentelle Informatik), der TU-Berlin (Telekom Laboratories) und der Universität der Künste Berlin (Design Research Lab).

Silke Wrede
Silke Wrede
FernUniversität in Hagen

Silke E. Wrede ist seit 2018 als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Lehrgebiet Bildungstheorie und Medienpädagogik an der FernUniversität in Hagen tätig. Ein Schwerpunkt ihrer Arbeit liegt in der Untersuchung von Künstlicher Intelligenz in der Hochschulbildung im Forschungsprojekt AI.EDU Research Lab, dieses ist Teil des Forschungsschwerpunkts „Digitalisierung, Diversität und Lebenslanges Lernen – Konsequenzen für die Hochschulbildung“ (D²L²).

Heike Karolyi
Heike Karolyi
FernUniversität in Hagen

Heike Karolyi ist wissenschaftliche Mitarbeiterin im Lehrgebiet Bildungstheorie und Medienpädagogik an der FernUniversität in Hagen. Ein Schwerpunkt ihrer Arbeit liegt im BMBF geförderten Verbundprojekt IMPACT – Implementierung von KI-basiertem Feedback und Assessment mit Trusted Learning Analytics in Hochschulen, dieses ist an der FernUniversität in Hagen im Forschungsschwerpunkt „Digitalisierung, Diversität und Lebenslanges Lernen – Konsequenzen für die Hochschulbildung“ (D²L²) verortet.